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Projekt "Bio aus der Region - vom Land auf den Tisch" vernetzt Bio-Akteure in Stadt und Land

BioStadt Bremen geht in die Region

Claudia Elfers während ihrer Rede
Claudia Elfers Referentin BioStadt Bremen © Richard Verhoeven

Die Vernetzung von Erzeugern, Verarbeitern und Verbrauchern aus der Bio-Branche im Nordwesten bekommt neue Verstärkung. Am Donnerstag, 20. Oktober 2016 fand die Auftaktveranstaltung des Projektes "Bio aus der Region - vom Land auf den Tisch" in der Bremischen Bürgerschaft statt. Akteure der Bio-Szene aus Bremen und der Region kamen mit dem Ziel zusammen, die Kooperationen zu fördern und den Erfolg der BioStadt Bremen in die Region zu tragen.

Bremen ist seit zwei Jahren BioStadt und seit dem Frühjahr 2016 im Netzwerk der deutschen BioStädte. Mit dem Projekt "Bio aus der Region - vom Land auf den Tisch" schließt sich nun eine Lücke zwischen den Initiativen in der Stadt und dem Bremer Umland, denn "nur mit Einbindung des ländlichen Raumes kann eine BioStadt nachhaltig erfolgreich sein", wie Claudia Elfers, Projektleiterin der BioStadt Bremen, erklärte. So konnte sie die Metropolregion Nordwest als Haupt-Sponsor dazu gewinnen, das Projekt "Bio aus der Region" in den kommenden 15 Monaten zu fördern. Das Projekt wird in der Region neue Märkte und kleine Messen der Bio-Branche ins Leben rufen und vorhandene unterstützen. Landwirte, Lebensmittelhersteller und Gastronomen sollen davon profitieren. Zahlreiche Gemeinden haben sich bereits als neue Gastgeber gemeldet.

Wertschöpfung in der gesamten Metropolregion

Staatsrat Ronny Meyer hält die Eröffnungsrede
Staatsrat Ronny Meyer hält die Eröffnungsrede © Richard Verhoeven

Zur Einstimmung in das Thema überraschte Claudia Elfers die Gäste mit einem Film über das Netzwerk Biostädte (BioStädte Netzwerk Film): Die Initiative BioStadt beschränkt sich nicht mehr nur auf lokale Beziehungen, sondern verbindet Städte und Gemeinden deutschlandweit. "Vor allem aber verbindet sie mit dem neuen Projekt Stadt und Land", wie Andreas Neumann betonte. Der Moderator von Radio Bremen führte durch die Veranstaltung.

Ronny Meyer, Staatsrat beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, und Dr. Anna Meincke, Geschäftsführerin der Metropolregion Nordwest, begrüßten die Gäste im Festsaal der Bremischen Bürgerschaft. "Wir zeigen mit diesem Projekt, dass in der Region gesunde Lebensmittel produziert und regional vermarktet werden", erklärte Ronny Meyer, während Anna Meincke den Know-how-Transfer (Deutsch: Wissensübertragung) zwischen den Akteuren in Stadt und Land und die regionale Wertschöpfung in der gesamten Metropolregion betonte. Das Projekt wird von Bremen aus koordiniert.

Lebensmittelverarbeiter fördern die lokale Bio-Landwirtschaft

Harje Kaemena während seiner Rede
Harje Kaemena © Richard Verhoeven

Wie wichtig lokale Absatzmärkte sind, legte Carolin Grieshop vom Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen dar. Sie konnte zeigen, dass die Anzahl der Bio-Betriebe im näheren Einzugsbereich von Bio-Molkereien und -Mühlen zugenommen hat. Die Ansiedlung neuer Betriebe aus der Lebensmittelverarbeitung gibt Betrieben, die eine Umstellung erwägen, eine neue Perspektive. In einigen Regionen jedoch treibt der Flächenbedarf für die Gülleentsorgung den Preis für Agrarland so hoch, dass mit einer Umstellung auf Bio-Landwirtschaft hier nicht zu rechnen ist.

Dass eine Umstellung erfolgreich verlaufen kann und einen soliden Betrieb hervorbringt, zeigt das Beispiel vom Hof Kaemena, der seit über 10 Jahren Bio-Betrieb ist. "Wir können die Verbraucher nicht über den Preis für unsere Waren gewinnen", ist Harje Kaemena sicher, "vielmehr müssen wir die guten Produkte aus schonender und gesunder Tierhaltung, die nachhaltige Produktionsweise und die Sicherung lokaler Arbeitsplätze als Werte vermarkten."

Markt der Biobranchen als Erlebnisort

Conrad Bölicke am Rednerpult
Conrad Bölicke © Richard Verhoeven

Wie die Vermarktung noch besser funktionieren kann, zeigte Claudia Elfers auf, die die Einzelheiten des Projektes "Bio aus der Region" vorstellte. Das Ziel ist, Orte der Begegnung und des Erlebens zu schaffen. Hier können sich Erzeuger und Händler vorstellen, Gastronomen können sich präsentieren, Besucher können entdecken, genießen und Neues lernen. Die Koordinierungsstelle soll die Veranstaltungen anschieben, ein Internet-Portal und eine Social-Media-Seite werden als Plattformen für Veranstaltungen und zum Austausch eingerichtet. Die Erfahrungen aus dem Projekt werden in einem elektronischen Handbuch gesammelt und verbreitet, um auch in Zukunft darauf zurückgreifen zu können.

Ein erfolgreiches Beispiel solcher Märkte sind die Wilstedter Oliventage, die seit 18 Jahren von arteFakt veranstaltet werden. Conrad Bölicke von arteFakt mahnte an, dass mit den Märkten nicht nur gute und gesunde Produkte, sondern auch ein Erlebnis verbunden sein müsse. Nur so könne man sich langfristig einen Namen schaffen, der die Besucher jedes Jahr wieder anlockt.

Bio-Ernährung wird selbstverständlich

In der anschließenden Talkrunde wurden die Erfolgschancen der Bio-Branche bei jungen Menschen und damit für die Zukunft ausgelotet. Kim Wilkens von der Slow Food Youth Bremen sieht bei jungen Menschen eine starke Nachfrage nach gesunden Lebensmitteln und regionaler Vermarktung. "Gesund, fair, transparent, ökologisch, das sind Werte, die viele junge Menschen bewegt", sagte Wilkens. Sie wünsche sich mehr junge Akteure in den Netzwerken der Bio-Branchen. Mike Hembluck, Betreiber des Biofood-Trucks Biten, sieht eine Verbreitung von Bio-Produkten auch in der schnellen Küche und im Straßenverkauf.
Michael Marquardt von der Marketinggesellschaft der Land- und Ernährungswirtschaft Niedersachsen sieht den Trend zur gesunden Ernährung noch weiter wachsen. Grund dafür, so sieht es Michael Thun von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung, ist auch die Schulverpflegung mit Bio-Produkten, die bei Eltern und Kindern ein Bewusstsein für Qualität schaffe. Knut Schaeper vom Naturkostkontor Bremen geht noch weiter: "Wir werden seit 25 Jahren jedes Jahr vom steigenden Absatz überrascht." In Zukunft, meint er, werde Bio-Ernährung der Normalfall sein.

Für das Projekt mit einer Laufzeit von 15 Monaten stehen insgesamt 98.000 Euro zur Verfügung. Der Verein Metropolregion Nordwest übernimmt mit 64.000 Euro den größten Teil der Kosten. Weitere 15.600 Euro stammen aus Gemeinen, Städten, Verbänden und weiteren Akteuren, die das Projekt unterstützen. Die übrigen 18.500 Euro trägt die Stadt Bremen.

Allgemeines zum Projekt "Bio aus der Region - vom Land auf den Tisch":

Das Projekt "Bio aus der Region - vom Land auf den Tisch"