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Pilotprojekt: "Mehr Bio in Bremer KiTas"

"Ziel des Projektes Mehr Bio in Kitas"

Kinder beim Backen
Jugendgruppe in der Biobackstube

Gutes Essen für Bremer Kinder!

Paten für das Projekt "Mehr Bio in Bremer KiTas" gesucht!

Am 8. Januar 2015 wurde in der Bremischen Bürgerschaft das Projekt BioStadt Bremen gestartet. Eines der Hauptziele ist es, mehr Lebensmittel aus dem ökologischen Landbau (möglichst aus der Region) in öffentliche Kindertagesstätten (KiTas) und Schulen einzusetzen, eine umweltfreundliche Landwirtschaft, eine artgerechte Tierhaltung und eine gesunde Ernährung zu fördern. Um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, startet in Bremen zum 1. Oktober 2016 das Pilotprojekt "Mehr Bio in Bremer KiTas". Bis Ende letzten Jahres fanden vorbereitende Maßnahmen und Workshops statt und von Januar bis Ende Oktober 2017 die zehnmonatige Praxisphase, in der alle in den teilnehmenden KiTas eingesetzten Lebensmittel aus dem ökologischen Landbau kommen.

Ziel des Projekts

Während der Durchführungsphase von 10 Monaten wird in drei Modell-KiTas der Anteil der Bio-Rohware auf 100% erhöht. Im Vergleich der Ausgangssituation mit dem Ergebnis nach der 10-monatigen Durchführungsphase in den KiTas kann realistisch eingeschätzt werden: Wie hoch sind die durchschnittlichen Mehrkosten bei 100% Bio-Anteil in der Hansestadt? Und daraus ableitend: Wie viel Bio ist in Bremer KiTas möglich und bezahlbar?

Weitere Informationen erhalten Sie in der folgenden PDf-Datei:
"Mehr Bio in Bremer Kitas" (pdf, 285 KB)
"Projektvorstellung" (pdf, 420 KB)

Projekt Ergebnis

Auswertung des Projektes „Mehr Bio in Bremer KiTas“ 21.11.2017

Nach Abschluss des Pilotprojektes wurde folgende Auswertung des Vereins Sozialökologie erstellt.

Kernaussagen:

1. Der Einsatz von 100 % Bio kostet mehr (in unserem Fall 10 – 15 %)ist aber machbar.

2. Wie viel Mehrkosten anfallen ist abhängig von verschiedenen Faktoren:

a. Vom Küchenteam

- Deren Einstellung zur Bio und der Ernährungsweise von Kindern
- Von deren Wissen über die Möglichkeiten, Biolebensmittel zu beziehen
- Offenheit gegenüber Veränderungen
- Kalkulation und Planung der Essen (Abwarten der Angebote, flexibler Einsatz von
günstigen Lebensmitteln, Berücksichtigung von saisonalen Preisschwankungen,
Wissen über genaue Kosten der einzelnen Mahlzeiten, genauere Mengenplanung)
- Erhöhter Einsatz von frisch verarbeiteten, möglichst saisonalen Produkten

b. Von der Ausstattung der Küche

- Lagermöglichkeit (Lagerräume, Kühlräume)
- Maschinenausstattung für die Verarbeitung der Rohstoffe

Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen:

1. Leitung, Küchenleitung und möglichst auch das Team und die Eltern müssen den Wert der
Biolebensmittel schätzen.

2. Beschaffung darf nach einer Umstellungszeit nicht aufwendiger sein als vorher, eher
verschlankt.

3. Die Küchenleiter*innen brauchen Detailinformationen über die Kosten der Essen um agieren
und reagieren zu können.

4. Laut den KiTas gab es im Alltag durch den Einsatz von BIO keinen wesentlich erhöhten
Zeitbedarf in den KiTaküchen. Grundsätzlich ist aber eine Überlastung des Küchenpersonals
festzustellen. Eine bessere personelle Ausstattung der Küchen wäre wünschenswert.

5. Die Mehrkosten von 10-15 % müssen von dem Träger berücksichtigt werden.

6. Alle KiTas brauchen eine einfache Möglichkeit, mit Lieferanten zu kommunizieren
(Telefon/Fax/Internet)

Handlungsempfehlungen:

1. Politik/Gesellschaft

- Erhöhung der generellen Wertschätzung gegenüber Essen.
- Vorgaben für Bioeinsatz an Produktionsbedingungen zu knüpfen (think global – eat local)
- Forderungen nach erhöhtem Bioanteil in den öffentlichen Einrichtungen mit der nötigen
Sensibilität für die Umsetzenden stellen und den Weg aufzeigen.

2. Träger
- Etat für Bioessen aufstocken, um der Bio-Billigfalle zu entgehen.
- Hauswirtschaft mit mehr Arbeitsstunden ausstatten.
- Bildungsangebote schaffen für KiTas, die bisher noch Berührungsängste mit Bio haben.
- Bildungsangebote und Zeitbudget für Küchenleiter*innen einräumen, um die Kosten der einzelnen
Mahlzeiten besser im Blick zu haben.
- Stärkung des Selbstverständnisses der Küchenleiter*innen in ihrer Funktion als Gastgeber,
nicht als Billigessenproduzenten.

3. KiTas

- Das gesamte Team in die Entscheidung und Zielentwicklung mit einbeziehen.
- Ernährung als pädagogisches Feld begreifen und Angebote schaffen, die Kinder teilhaben zu lassen.
- Umstellung von Essensangebot begrüßen.

4. Küchen

- Essensangebot überdenken, Neuerungen gegenüber offen sein.
- Auf hochpreisige Produkte achten und ggf. reduzieren.
- Den Fokus auf vegetarische Gerichte erhöhen.
- Genaue Planung der Kosten und Mengen, Angebote nutzen, Reste vermeiden.
- Kinder als kompetente Esser begreifen.

Zur Einstellung der Kitas und dem Einfluss des Projektes auf die Zukunft:
Generell hatten unsere KiTas einvernehmlich Sorge, dass die Kosten für Bio-Essen zu hoch wären und
waren alle drei überrascht, wie gering die Mehrkosten schlussendlich waren. Alle drei haben sich
bedankt für die Möglichkeit, dies im geschützten Rahmen erfahren zu können.
Sie wollen weiterhin so viel Bio einsetzen, wie ihnen jeweils möglich ist.
Eine weitere Kooperation ist für alle erstrebenswert. Nachgefragt wurden bisher weitere Kinderbesuche
auf dem Bauernhof, Kinderkochen und unsere Teilnahme an Sommerfesten.